Ständig posten: Warum es für Solopreneurinnen so schwer ist
Ständiges Posten klappt nicht? Dann liegt das vielleicht daran, dass es in deiner Situation eine unrealistische Erwartung ist.
Lass uns diesen rebellischen Gedanken mal etwas näher beleuchten und schauen, ob da wirklich etwas dran sein könnte.
„Du musst täglich posten!“ – Eine Tragikomödie
„Du musst regelmäßig posten. Am besten täglich!“, sagte der Marketing-Coach zur Solopreneurin.
„Ja, ich weiß.“ Die Solopreneurin traute sich kaum, in die Webcam zu schauen. Oder auch nur daran zu denken, dass auf ihren Kanälen seit anno dazumal die Grillen zirpten. „Aber ich hab leider kaum Zeit dafür …“
„Keine Zeit ist ein Prioritätsproblem!“, tadelte sie der Coach und zuckte kurz zusammen, weil seine Frau im Nebenraum aus unerklärlichen Gründen den Staubsauger angeworfen hatte. Hoffentlich war der Zoom-Geräuschfilter stark genug …
„Ich würde ja gern, aber …“, begann die Solopreneurin erneut, doch dann wurden sie von einem kleinen Jungen unterbrochen, der sich spontan entschlossen hatte, ohne anzuklopfen ins Arbeitszimmer einzudringen und dort mit seinem Bobbycar eine Spritztour zu machen.
Der Coach drehte sich ruckartig um: „Was ist denn jetzt … Brittaaaa!!!“
Seine Frau (die offensichtlich sofort den Staubsauger fallengelassen hatte) flitzte ins Zimmer: „Ja, Schatz? Oh Gott…“
Sie schnappte sich den Kleinen samt Gefährt, vermied den Todesblick ihres hart arbeitenden Gatten und murmelte beim Hinausgehen: „Tut mir leid, ich war abgelenkt. Leni hat was runtergeschmissen …“
Als seine Frau und der Wannabe-Schumi nicht weiter seine Konzentration störten, widmete sich der Coach wieder seiner Kundin.
„Verzeihung.“ Er lächelte gequält. „Kommt nicht mehr vor. Meine Frau hat das normalerweise im Griff.“
Die Solopreneurin machte ein Schweppes-Gesicht, weil sie nicht sicher war, ob sie sich lachend auf die Schenkel klopfen oder eher heulend auf den Boden werfen sollte.
„Also, wo waren wir?“
„Keine Zeit ist ein Prioritätsproblem“, erinnerte ihn die Solopreneurin.
„Ach ja, danke … Also, wie gesagt: Keine Zeit ist nur eine Ausrede. Wo ein Wille ist, da ist ein Weg.“
Die Solopreneurin zog die Augenbrauen hoch. Sie bereute es jetzt schon, das Coaching gebucht zu haben (das sie übrigens nur deshalb gefunden hatte, weil sein Team täglich für ihn postete 🤫)
Im Grunde hätte sie sich die 60 Minuten auch sparen können. Oder in der Zeit irgendwas posten …
Wir kennen es alle
Den ständigen Druck, ewig nix gepostet zu haben, obwohl alle sagen, dass man es sollte (inklusive dem inneren Kritiker). Die parallel ausbleibende Kundschaft. Die Motivation, die sich irgendwann verabschiedet hat. Ungefähr zeitgleich mit der Energie. Ich kenn’s. Du kennst es. Fast alle Solopreneurinnen kennen es.
Und oft haben wir sogar ’ne Menge dagegen versucht. Redaktionspläne, Content Recycling, Motivationsgruppen, Batching-Tage – es gibt so vieles, um der Prokrastination auf die Pelle zu rücken. Aber irgendwie hat das trotzdem nie dauerhaft geholfen. Vielleicht mal ein paar Tage, Wochen oder Monate, bevor man wieder ins alte Schema verfiel.
Und was dabei am schwersten wiegt, ist die bohrende Frage: „Warum krieg ich das nicht hin? Die anderen schaffen das doch auch!“
Nun, vor allem letzteres ist ein Trugschluss. Denn du siehst nur das, was andere veröffentlicht haben. Nicht das, was noch unfertig in den Entwürfen schlummert oder sogar nur auf der To-do-Liste existiert.
Und du siehst auch nicht, in welchem Zustand die geposteten Beiträge gepostet wurden. Du weißt nicht, ob die Frau das nachts um 2 noch schnell fertiggestellt hat, weil sie bereits seit 3 Wochen von ihrem inneren Kritiker gequält wird.
Natürlich gibt es auch Solopreneurinnen, die das problemlos hinbekommen, aber die haben häufig an anderer Stelle Entlastung oder bestimmte Privilegien.
Und meiner Beobachtung nach liegt das Problem, warum sich häufiges Posten für selbstständige Frauen so schwer anfühlt, oft gar nicht in der Frau selbst. Sondern im System.
Das Problem mit dem häufigen Posten
Die obige Geschichte hat sich natürlich nicht 1:1 so zugetragen, aber sie bringt das Hauptproblem, dem Solopreneurinnen im Marketing begegnen, ziemlich gut auf den Punkt: Die fabelhafte Welt der Marketingmodelle und derjenigen, die sie uns beibringen, stimmt oft wenig mit der Lebensrealität selbstständiger Frauen überein.
Trotzdem werden ihnen dieselben Methoden empfohlen und Einwände oft als Willensschwäche deklariert. Natürlich vor allem von Menschen, die sich ihrer eigenen Privilegien nicht bewusst sind.
Was sie oft nicht bedenken: Marketing ist selten die Haupttätigkeit einer Solopreneurin, sondern nur eine Nebenaufgabe. Und der Beruf ist meist auch nicht die einzige Aufgabe in ihrem Alltag, die vollen Einsatz verlangt (Haushalt, Care-Arbeit, Ehrenamt, usw. lassen grüßen).
Hinzu kommt, dass die Energie einer Frau enorm von ihrem Menstruationszyklus abhängen kann und nicht nur von der Tagesform. Weshalb es für Frauen eine größere Herausforderung darstellt, bestimmte Routinen dauerhaft und ohne Anpassung an ihren Zyklus aufrechtzuerhalten.
Dass die Marketing-Bubble all das oft nicht mitdenkt, gab mir mehr und mehr den Eindruck, dass tägliches bzw. häufiges Posten ohne Team oder anderweitige Entlastungen für die meisten selbstständigen Frauen kaum langfristig umsetzbar ist. Zumindest nicht, ohne ihre wichtigste Ressource, die eigene Gesundheit, zu opfern.
Ist ständiges Posten überhaupt sinnvoll?
Manche haben auch das Gefühl: Sie posten und posten, aber ihr Business profitiert davon kaum.
Nun, regelmäßige Sichtbarkeit ist definitiv ein wichtiger Faktor, doch wie wichtig häufiges Posten ist, kommt sehr auf die Plattform an.
Allerdings gilt: Der Inhalt des Posts ist grundsätzlich wichtiger als die Häufigkeit. Dabei geht’s weniger darum, dass es immer „tief“ sein muss, sondern eher darum, dass es für die Zielgruppe relevant ist. Doch dazu später mehr.
Behalte außerdem im Hinterkopf: Follower sind nicht automatisch Kundschaft. Gerade auf Plattformen wie Instagram sind viele Menschen nur deshalb unterwegs, weil sie sich kostenlos inspirieren und unterhalten lassen wollen. Nicht, weil sie Hilfe suchen oder etwas kaufen wollen.
Insbesondere im B2B-Bereich ist LinkedIn meist die bessere Alternative. Denn dort sind die Menschen im Businessmodus, wenn sie online sind. Nicht im Langeweile-Doomscroll-Modus.
Was sind die Alternativen?
Hier ein paar Dinge, die dir helfen können, deine Marketingstrategie besser an deine eigenen Bedürfnisse anzupassen.
Social-Media-Raketen vs. Longform-Content-Häuser
Einer der Gründe, warum ich vor einem Jahr meinen Instagram-Account gelöscht habe, war, dass Instagram ständige Präsenz (und damit massig Ressourcen) verlangt. Sonst läuft da nix.
Und genau das war mir irgendwann einfach zu viel und blockierte mich komplett. Ich merkte zunehmend, dass ich mich lieber auf meinen Blog und Newsletter konzentrieren wollte, da diese mir eine Menge Ressourcen sparten, die ich an anderer Stelle einsetzen konnte.
Denn das Schöne daran ist: Es gibt keinen Algorithmus, der entscheidet, ob etwas angezeigt wird oder nicht. Das heißt:
- keine ständige Aktivität notwendig, damit der Algorithmus die eigenen Beiträge pusht
- nicht mehrmals die Woche neuer Content (und erst recht nicht täglich)
- kein ständiges Recherchieren, welches Contentformat gerade gepusht wird, und anschließendes Anpassen
All das sind ja Aufgaben, die uns massig Zeit und Geld kosten, das wir eigentlich an anderer Stelle effektiver einsetzen könnten.
Denn mittlerweile ist es ja kein Geheimnis mehr, dass Social Media deinen Content nur einem Bruchteil deiner Follower überhaupt anzeigt. Und das nur für ein paar Stunden oder Tage, dann ist der Post wieder weg vom Display. Und um diese Zeit zu verlängern, muss man sich an den Algorithmus anpassen, sich ihm manchmal sogar geradezu unterwerfen.
Ich vergleiche das immer mit einem Feuerwerk: Wenn du eine Feuerwerksrakete abschießt, düst die sofort in den Himmel, macht dann schön Puff und schenkt ihr einen Effekt (oder auch nicht). Aber um das Feuerwerk am Lodern zu halten, musst du ständig neue Raketen in den Himmel schießen.
Während Formate wie Blogs, Podcasts, YouTube-Videos oder teilweise auch Newsletter deutlich nachhaltiger sind. Vor allem Longform-Content-Formate kannst du, im Vergleich zum Social-Media-Feuerwerk, eher mit einem Haus vergleichen. Du baust es auf, Stein um Stein. Und am Anfang ist der sichtbare Nutzen und Effekt noch ziemlich klein. Aber was du gebaut hast, steht. Es ist da und verpufft nicht. Was das ständige Hamsterradgefühl deutlich reduzieren kann.
Allerdings brauchst du anfangs natürlich eine weitere Trafficquelle, damit dein Blog, Podcast oder YouTube-Kanal überhaupt gefunden werden und Reichweite aufbauen kann.
Hier findest du einen direkten Vergleich der Vor- und Nachteile von Blogs, Newslettern und Social Media.
Effektives Marketing braucht oft ein gut durchdachtes Ressourcenmanagement.
Denk daher gern mal darüber nach, ob die Social-Media-Rechnung für dich aufgeht. Sind Instagram & Co. wirklich so profitabel für dein Business, dass sich die investierte Zeit (und ggf. auch Geld) wirklich lohnt? Oder fehlen dir diese Ressourcen an einer anderen Stelle, die mehr Relevanz für dein Businesswachstum hätte?
Weniger Kanäle, mehr Luft zum Atmen
Das ist natürlich kein neuer Tipp, aber manchmal immer noch der Knackpunkt: Du musst nicht überall vertreten sein. Konzentriere dich auf wenige Hauptkanäle für dein Marketing (etwa 1–3, je nach Strategie) und überprüfe, ob deine Kanäle eher zufällig zusammengewürfelt sind, oder einer klaren Strategie folgen und aufeinander aufbauen.
Gezieltes Marketing ist besser als breites!
KI zu deinem Assistenten machen
Ich bin mir sicher, vor 1–2 Jahren hätte ich das noch nicht gesagt. Aber KI kann dir bei der Contenterstellung wirklich eine Menge Arbeit abnehmen. Und ich meine damit nicht das Erstellen des Contents selbst. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass dir glattpolierte KI-Texte/Grafiken/Voiceovers eher schaden als nützen. Zumal sie auch noch fehleranfällig sind, insbesondere die Grafiken.
Trotzdem kann KI enorm hilfreich sein bei Dingen wie:
- Ideenfindung
- Aufbau und Gliederung
- Recherche
- als Entscheidungshilfe („Soll ich Formulierung X nehmen oder Formulierung Y? Was trifft den Kern besser?“)
Das kann dir wirklich enorm viele Ressourcen sparen, die du dann ganz ins Kreieren stecken kannst. Denn dort nützen sie dir am meisten.
Es muss nicht immer Posten sein
Wenn du dennoch auf Social Media bleiben willst (ich bin beispielsweise noch auf LinkedIn aktiv), kannst du in Zeiten, in denen du weniger freie Ressourcen für eigenen Content (und dessen Moderation) hast, auch gezieltes Engagement bei anderen als Sichtbarkeitsstrategie einsetzen.
Gerade bei LinkedIn, wo ein Teil deines Profilslogans auch in den Kommentaren lesbar ist, kann ein strategisch eingesetztes und gut durchdachtes Engagement tatsächlich sehr wirksam sein.
Wertvoll sind hier allerdings nicht unbedingt Kommentare bei der direkten Konkurrenz (das kann leicht nach hinten losgehen), sondern eher bei komplementären Anbietern und Menschen aus derselben Branche, aber mit abweichender Zielgruppe.
Perfektionismus muss leider draußen bleiben
Vor ein paar Wochen habe ich das hier auf LinkedIn gepostet:

Nicht jeder Stein muss ein Meilenstein sein. Manchmal stabilisiert er nur andere Steine. Oder füllt eine Ritze und schützt das Gebäude vor eindringender Nässe. Oder er existiert nur, damit in der Wand kein Loch ist.
Genauso ist es mit der Sichtbarkeit im Marketing. Es geht nicht darum, dass jeder Post ein Meisterwerk sein muss. Es geht darum, dass die Menschen erfahren und nicht vergessen, dass es dich und dein Angebot gibt. Und dass jeder Stein dazu beiträgt, ein stabiles Sichtbarkeitsgebäude aufzubauen.
Wie mein Perfektionismus mich am Bloggen hinderte, habe ich hier bereits berichtet.
Struktur hilft manchmal doch
Auch wenn ich oben erwähnte, dass es nicht für alle funktioniert: Manchmal kann ein Redaktionsplan oder ein fester Tag, an dem du Content vorproduzierst, wirklich der Gamechanger sein. Insbesondere dann, wenn du keine klare Struktur hast und dir dieses innere Chaosgefühl enorm viel Energie raubt. Denn wenn sich eine Sache anstrengend anfühlt, ist es umso schwerer, damit anzufangen.
Mir selbst hat das in der Anfangszeit sehr geholfen, aber heute merke ich, dass solche Pläne und feste Tage eher unpraktisch für mich geworden sind. Vor allem, da meine Energie sehr schwankt und ich daher mit einer gewissen Flexibilität besser fahre, als mich an einem bestimmten Tag jede Woche zur Content-Erstellung zu prügeln, egal, wie’s mir geht und was gerade sonst so los ist. Das ist aber eine persönliche Präferenz und kann bei dir ganz anders sein.
Eine individuelle Strategie, die Marketing umsetzbar macht
Klingt erst mal verrückt, ist aber meist der Schlüssel zum langfristigen Erfolg.
Damit du eine passende Strategie entwickeln kannst, musst du jedoch erst herausfinden, warum genau es aktuell nicht funktioniert. Was blockiert da wirklich, unter der Oberfläche? Und was kostet dich enorm viel Zeit und Energie? Denn „keine Motivation“ ist meist nur ein sichtbares Symptom, nicht das eigentliche Problem. Das sitzt viel tiefer.
Doch ich gebe zu, das zu erkennen, ist nicht gerade Pillepalle. Denn die Ursache liegt manchmal schon Jahre zurück, besteht meist aus vielen unterschiedlichen Faktoren und ist oft besser getarnt als ein Chamäleon 🙈
Genau dafür habe ich mein Bundle Sichtbar ohne Widerstand entwickelt. Darin führe ich dich Schritt für Schritt durch den Prozess von der Blockade zurück zur Ursache und gebe dir Werkzeuge an die Hand, wie du das Problem bewältigen kannst. Damit du anschließend genau weißt, was du brauchst und tun kannst, um regelmäßige Sichtbarkeit für dich möglich zu machen.
Liegt der Fehler im System?
Natürlich nicht pauschal. Dennoch ist es leider geläufig, Menschen Marketingmethoden als „effektiv“ zu verkaufen, die für ihre persönliche Situation unpassend, kaum langfristig umsetzbar und teilweise sogar uneffektiv sind (beispielsweise, wenn dadurch unverhältnismäßig viele Ressourcen gebunden werden, die anderswo fehlen). Denn auch als Fachperson vergisst man mitunter seine Privilegien und verfällt ins Schema-F-Denken.
Ganz abgesehen davon, dass wir als Kundinnen eher dazu neigen, den Fehler bei uns selbst zu suchen, auch wenn er manchmal ganz woanders liegt. Das liegt näher und scheint einfacher, ist aber nicht unbedingt zielführender. Und ja, es gibt natürlich auch das andere Extrem, in dem man vor seinen eigenen Fehlern die Augen verschließt und nur aufs System zeigt. Aber das ist ein anderes Thema.
Gerade bei weitverbreiteten Problemen, die keineswegs Einzelfälle sind, lohnt es sich manchmal, genauer hinzuschauen und Allgemeingültiges kritisch zu hinterfragen. Denn manchmal bekämpfen wir jahrelang nur die Symptome, ohne des Übels Wurzel zu erkennen.
Dieser Beitrag war spannend? Hier gibt’s mehr:



