2025 habe ich mich zurückgezogen. Ich fühlte mich Anfang des Jahres völlig ausgelaugt, müde, erschöpft.
Bereits 2024 war für mich ein Jahr des Ausbruchs gewesen. Ein Ausbruch aus alten Beziehungen, Denkmustern, Selbstbildern. Und der Anfang der großen Lebensentrümpelung.
Im vergangenen Jahr fühlte ich mich oft wie eine mentale Trümmerfrau, die die Scherben ihrer Vergangenheit aufkehrt, wegräumt und vor allem loslässt.
Ich habe 2025 viele Kontakte abgebrochen. Auch zu einigen Menschen, die bisher mein Hauptumfeld gebildet hatten. Die letzten Jahre waren hart. Diese Menschen waren in dieser Zeit da. Mein Narrativ: „Sie sind der Grund, warum ich nie aufhöre zu kämpfen.“
Bis ich irgendwann realisierte: Eigentlich heißt das ja, dass ich ohne sie gar nicht mehr kämpfen muss …
Deshalb habe ich 2025 nicht nur meine Wohnung enorm ausgemistet (Momox und Rebuy haben sich gefreut – und mein Bankkonto auch 😆), sondern ebenfalls meine Kontaktliste.
Und irgendwann war es ganz still um mich.
Es ist ruhig. ZU ruhig?
Zuerst hat mir das Angst gemacht. „Was, wenn du alleine nicht klarkommst? Was, wenn irgendwas Unerwartetes passiert und du Hilfe brauchst?“
Bis ich irgendwann bemerkt habe: Ich bin nicht alleine.
Erstens habe ich seit Januar 2025 einen Partner an meiner Seite, der mir gezeigt hat, was Liebe wirklich bedeutet (Spoiler: Es ist nicht dasselbe wie Mitleid, Abhängigkeit oder Ausnutzung. Hätte ich das mal früher gewusst …). Auch wenn wir aufgrund räumlicher Distanz momentan auf unsere täglichen Video-Calls limitiert sind, tut er mir enorm gut ♥️
Und ich erkannte schnell: Einsamkeit entsteht nicht, wenn wir räumlich von anderen getrennt sind, sondern wenn uns eine innige Verbindung fehlt. Deshalb fühlen sich manche einsam, obwohl sie in einer langjährigen Ehe leben oder gerade mitten in einer Menschenmenge stehen.
Zweitens habe ich mich zwar von meinem Umfeld zurückgezogen, aber nicht isoliert. Ich habe so viel Zeit in der Stadtbücherei verbracht wie schon seit über 10 Jahren nicht mehr. Außerdem habe ich mir ganz spontan ein Deutschlandticket gekauft und mit großer Überraschung entdeckt, wie sehr ich es liebe, alleine zu reisen. Es gibt mir ein Gefühl grenzenloser Freiheit und Lebendigkeit. Ich kann alles genauso gestalten, wie ich es im Moment brauche, und Urlaub wird dadurch wirklich zur Erholung (was ich in der Vergangenheit nie behaupten konnte).
Und in dieser Stille und Zurückgezogenheit habe ich plötzlich das gefunden, was ich mein ganzes Leben lang gesucht habe: mich selbst.
Zurück zum Ich
Als der Lärm aus Kritik, Erwartungen, Forderungen und Urteilen um mich herum verstummte, konnte ich plötzlich meine innere Stimme (wieder) hören.
Und ich begriff, dass ich einen Großteil meines Erwachsenenlebens für andere funktioniere, aber völlig vergessen hatte, zu leben.
Die Träume, die ich als kleines Mädchen hatte, waren irgendwann im Chaos der Realität verloren gegangen. Nun, nicht alle. Ich wollte als kleines Kind Autorin werden. Zwar bin ich nicht, wie damals geplant, zur deutschen Astrid Lindgren herangewachsen, sondern eher zu einer Art Blogger-Karla-Kolumna, aber das ist auch gut so. Denn dass Sachtexte und Poesie mein kreatives Herz zum Lodern bringen und nicht Weltenbau, Charaktere und geschickt verwobene Handlungsstränge, habe ich erst im Laufe meiner „Schreibkarriere“ herausgefunden.
Rückblickend realisierte ich jedoch, dass ich bisher oft Entscheidungen getroffen hatte, die von anderen Menschen „ferngesteuert“ waren. Was dazu führte, dass ich am Ende tatsächlich das Leben einer Person führte, die so weit weg von meinem wahren Ich war, dass ich mich manchmal selbst nicht mehr erkannte.
Der Leuchtturm: Symbol und Lebensphilosophie
Eine Sache, die mich in den letzten Jahren besonders beschäftigte: „Ich gerate ständig an Leute, die mich ausnutzen oder als ihren emotionalen Mülleimer missbrauchen. Menschen, die mir ständig Energie und andere wertvolle Ressourcen ziehen, aber nie irgendetwas Gleichwertiges zurückgeben.“
Und das war kein Zufall.
Das war schlicht und ergreifend die bittere Konsequenz meines Helfersyndroms und des ständigen Drangs, die Welt retten zu wollen.
Klingt zunächst ziemlich edel und selbstlos, endete aber genaugenommen immer so, wie es die Stewardessen im Flugzeug nicht empfehlen. Dort heißt es: Falls der Druck in der Kabine so drastisch abfällt, dass die Passagiere Sauerstoffmasken benötigen, soll man sich zuerst selbst die Maske aufsetzen und dann gegebenenfalls anderen helfen. Sonst läuft man Gefahr, beim Versuch, andere zu retten, selbst zu ersticken.
Und ich bin regelmäßig selbst fast „erstickt“.
Doch in der Stille der Abgeschiedenheit formte sich im Laufe des Jahres ein Gedanke in mir und breitete sich immer weiter in meinem Kopf aus: „Ich möchte nicht mehr retten und mich dabei selbst opfern. Ich bin müde und will nichts mehr beweisen. Ich möchte einfach nur mein Licht strahlen lassen und andere inspirieren, ihre eigene Lösung zu finden. Ich möchte ein Leuchtturm sein. Kein Seenotretter.“
Und ehe ich mich versah, wurde der Satz „Ich bin ein Leuchtturm“ zu meinem allumfassenden Lebensmotto.

Warum der Leuchtturm die perfekte Metapher für mich ist
Ein Leuchtturm macht sichtbar, was im Dunkeln liegt. Aber er überlässt den Seeleuten die Interpretation des Gesehenen.
Er steht da. Aufrecht. Unerschütterlich und unerschrocken. Fest mit dem Grund verwurzelt, der ihm Halt gibt. Egal, ob die See gerade tobt oder die Sonne lacht. Die Seeleute können sich auf ihn verlassen.
Aber zieht sie auch nicht aus dem Wasser. Er bietet ihnen lediglich Orientierung.
Und: Er verbiegt sich nicht, je nachdem, was gerade im Trend ist. Er sagt: „Ich bin ein Leuchtturm. Wenn du einen Leuchtturm suchst, bist du hier an der richtigen Adresse. Wenn du lieber den Eiffelturm sehen willst, dann fahr nach Paris. Oder nach Las Vegas. Den findest du dort und nicht hier.“
Ein Leuchtturm ist immer ein Leuchtturm. Und er ist echt.
Er ändert lediglich manchmal die Farbe und Intensität seines Lichts. Oder erneuert seinen Anstrich.
In diesem Sinne wünsche ich dir ein angenehmes und gesundes Jahr 2026!


So inspirierend! Ich freu mich drauf und wünsche dir weiterhin alles Gute und ein tolles 2026!
Vielen Dank, liebe Ramona 🙂 Das freut mich sehr, dass dich mein Beitrag inspiriert hat. Ich wünsche dir ebenfalls ein starkes 2026! 💪